Nachlese zur Free Maja Demonstration am 4. Februar

An dieser Stelle findet ihr die gehaltenen Redebeiräge von uns zur Demonstration anlässlich der Urteilsverkündung gegen Maja am 4. Februar 2026. Vielen Dank, dass so viele Menschen erschienen sind. Falls ihr von den Bullen im Nachhinein Post bekommt, schaut gern in unserer Sprechstunde am 1., 3. und 5. Dienstag im Monat im AZ Conni vorbei.

Grußwort aus dem Gerichtssaal

Hallo liebe Freund*innen & Genoss*innen, 
wir senden euch ganz herzliche Grüße aus Budapest. Es ist großartig zu wissen, dass ihr heute in Dresden, in Jena, in Bremen und Berlin auf der Straße seid. 
Wir waren hier heute wenige, vielleicht dreißig Menschen, die das Urteil vor Ort in Budapest verfolgt haben. Wir konnten hier und heute nicht demonstrieren. Wir konnten hier und heute nicht als Antifaschist*innen auf der Straße sein. Und naja, wir haben es dann doch getan. 
Der ungarische Staat kriminalisiert Maja, kriminalisiert uns und kriminalisiert den Protest gegen dieses Gerichtsverfahren. Doch wir wissen, dass ihr da draußen seid und hinter Maja steht. Und Maja weiß das auch! 
8 Jahre. 8 Jahre soll Maja in Ungarn hinter Gitter. Bewährung ausgeschlossen. Ganz ehrlich: nachdem wir heute den ganzen Tag mit den engen Freund*innen und der Familie dem Urteilsspruch entgegen zitterten, fiel mir zuerst ein Stein vom Herzen. 
Zur Erklärung möchte ich kurz zum Anfang des Prozesses zurückspringen. In Ungarn sind Vorverhandlungen üblich. In denen schließt die Jusitz Deals mit den Angeklagten. Im Tausch gegen die eigenen Rechte gibt es ein „mildes Urteil“. Ein mildes Urteil wären nach Ansicht der Staatsanwaltschaft 14 Jahre Haft unter besonders erschwerten Bedingungen für Maja gewesen. Und zurück zum Ende: die Staatsanwaltschaft forderte am vorletzten Verhandlungstag einfach die Höchststrafe! Ohne jede Zahl zu nennen und unter Bedingungen der Isolationshaft. 
Also 8 Jahre. Da fiel mir hier ein Stein vom Herzen. Und trotzdem: 8 Jahre? Für einen Indizienprozess mit absurder Beweislage? Ganz zu schweigen von dem ganzen Mist den Maja in diesem Verfahren über sich ergehen lassen musste? Fuck that! 
Doch was wir hier heute aus Budapest mitnehmen, ist die unglaubliche Stärke die Maja gezeigt hat. Über jede Gängelung, durch die Isolation hindurch und im Hungerstreik. Im Hungerstreik und gerade auch mit der Beendigung des Hungerstreiks als dieser verloren war und Maja nur noch die Wahl hatte, weiter zu leben oder zu krepieren. Das alles zu sehen ist für mich so unglaublich krass, es macht mir Mut. Maja sagte in der Abschlusserklärung vor Gericht dass Maja das alles ohne uns nicht geschafft hätte. Doch angesichts des Hungerstreiks, der beständigen  Prozesserklärungen die sich nicht nur für die eigenen Belange einsetzen, sondern für einen  politischen Antifaschismus, fragt man sich wer hier eigentlich wem hilft. Diese gegenseitige Solidarität macht mir Hoffnung und ich schaue mich um und sehe meine Freund*innen und Genoss*innen und ich weiß das wir weiter machen werden, komme was wolle. Entschuldigt den Pathos… Wir haben alle beschissen und wenig geschlafen. 
Angesichts der Hoffnungslosigkeit will ich an der Hoffnung auf ein besseres Leben festhalten. Alerta, Alerta Antifascista!

Free Maja – 2 Jahre Scheiße

Fuck fuck fuck!
Am 14. Dezember 23 in Dresden auf der Wiese vor’m Knast wisst ihr noch?
Wir erinnern uns teilweise auch nur noch blass, aber da haben wir gemeinsam Majas Geburtstag gefeiert. Für uns markiert das den Startpunkt einer sehr individuellen Geschichte von Knast, Isolation und Solidarität. Für Maja und andere damals Untergetauchte hatte sie bereits begonnen. 
Was ist seitdem passiert?
Seitdem wurde vom Kammergericht Berlin die Auslieferung Majas beschlossen und mit Hilfe der Soko Linx durchgeführt. So durchgeführt dass trotz Beschwerde beim Verfassungsgericht Maja schon in Ungarn saß, als man in der deutschen Justiz feststellte das dies rechtswidrig ist. Zeitgleich wurden Angehörige der untergetauchten Antifaschist*innen von der deutschen Polizei terrorisiert. Sie wurden zuhause aufgesucht, ihnen wurde auf dem Weg zur Arbeit aufgelauert um sie zu befragen, sie wurden observiert und bedrängt ihre Kinder und Angehörigen zu verraten. Bei gleichzeitiger Weigerung durch die Staatsanwaltschaft zuzusichern, dass diese nicht an Ungarn ausgeliefert werden. Dieser Terror steht beispielhaft für die zunehmende Kriminalisierung von Antifaschismus. Dieser Terror ging von deutschen Behörden aus, nicht von Ungarn. 
Am 5. Juni 2025 beginnt Maja einen Hungerstreik. Gegen die Isolationshaft, gegen die stündlichen Sichtkontrollen bei denen jedes Mal das Licht angeschaltet wird. Kurz: Gegen die Folter.
Maja streikt aber auch gegen die Auslieferung der anderen Angeklagten und Verfolgten nach Ungarn, besonders für Zaid, der bis heute besonders von Auslieferung bedroht ist. Nach 40 Tagen beendet Maja den Hungerstreik ohne dass eine der Forderungen nach Rücküberstellung oder Hafterleichterungen bzw. Verlegung in den Hausarrest erreicht wurden. SPD-Bundestagsfraktion und Aussenminister Wadephul äusserten sich zwar bzgl. dem Einsatz für bessere Haftbedingungen, blieben jedoch weitestgehend untätig. Besonders im Vergleich mit den italienischen Behörden und ihrem Einsatz für die Hafterleichterungen bei Ilaria Salis und ihrer anschliessenden Verlegung in den Hausarrest fällt auf wie wenig politscher Wille da ist.
Im September 2025 als Trump „Die Antifa“ als inländische Terrororganisation in den USA einstuft schmunzeln wir teilweise noch bei diesem unbeholfenen Versuch solch eine „Organisation“ überhaupt greifbar zu machen. Kurz darauf kündigt Ungarns Ministerpräsident an dem Beispiel zu folgen und auch dort „Antifa-Vereine“ zu verbieten. Auch hier bleibt er bewusst schwammig um Angst zu verbreiten. Heisst das Antifa-Logos sind jetzt verboten? Heisst es man wird sofort festgenommen wenn man sich zum Antifaschismus bekennt? Kann einem niemand sagen…. und das ist Absicht. Im November legt Trump noch einen drauf und benennt konkret Antifa Ost als fremdländische Terrororganisation womit dann endgültig Tür und Tor geöffnet ist für Schikanen und Repression auch gegenüber einer Solidaritäts-Bewegung. Die ersten konkreten Auswirkungen dieser Maßnahmen sind die Verbote der letzten Kundgebungen vorm Gericht in Budapest während der Verhandlungstage und die Kontokündigungen von ABC Dresden sowie der Roten Hilfe durch die GLS-Bank.
Was wir bei dieser Scheisse nicht vergessen wollen:
Wo man die antifaschistische Gegenwehr organisiert und sich auf den Staat dabei nicht verlässt, wird man mit ihm als Gegner konfrontiert. Wie hart seine Antwort ausfällt ist Gradmesser für den Fortschritt der Krise.
Wir sind in den Sommermonaten während des Hungerstreiks zusammengewachsen und haben daraus neue Banden und Kontakte geknüpft. Diese werden wir brauchen in den kommenden Kämpfen. Wir haben einiges über Internationale Solidarität, über ihre Hürden und Verschränkungen mit der Nationalpolitik gelernt. Während wir den Rechtsstaat anschreien seine eigenen Regeln einzuhalten, dürfen wir nicht vergessen das „Holt Maja zurück!“ derzeit heisst: Maja sitzt dann hier im Knast. 
Das ist nicht hinnehmbar. Genau so wenig wie Knäste in Ungarn, sind Knäste überall nicht hinnehmbar. 
Lasst uns umschauen: 
Wenn wir die Knastgesellschaft überwinden wollen werden wir uns brauchen.
Wenn wir die kommenden politischen Entwicklungen mit Rückgrat bestehen wollen, werden wir uns brauchen.
In Solidarität: 
euer Ermittlungsausschuss.

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