Freiheit für Lina – Weg mit §129a/b

Am 5. November wurde Lina in Leipzig verhaftet. Ihr werden mehrere Straftaten vorgeworfen, die durch eine kriminelle Vereinigung begangen worden sein sollen. (https://freiheitfuerlina.noblogs.org/files/2020/11/presseportal_gba-festnahme-und-durchsuchungen-wegen-des-verdach_4755162.pdf) Lina soll Rädelsführer*in der Gruppe gewesen sein, die Neonazis körperlich angegriffen habe. Wir fordern ihre sofortige Freilassung und die Abschaffung des §129 in allen seinen Varianten (https://ea-dresden.site36.net/materialien/spitzelei-und-datensammelwut/%c2%a7129-stgb/)!

Wir kennen dieses Spiel schon. Irgendwelche, angeblich kommandomäßig, geplanten Aktionen führen zu massiven Spitzeleien gegen Antifaschist*innen. Jahrelang wird deren Kommunikation überwacht, sie werden beschattet und der Öffentlichkeit als die Bösen präsentiert. Zahlreiche Genoss*innen in Dresden mussten jahrelang Beschuldigungen dieser Art über sich ergehen lassen – alles was die Bullen dafür brauchten waren die Aussagen bekannter Neonazis, die versuchten ihre politischen Gegner*innen fertig zu machen. Angesichts der Schwere der Vorwürfe und der Heftigkeit des Vorgehens rufen wir euch auf Ruhe zu bewahren. Das ganze Brimborium seitens der Bullen ist politisch motiviert. In allen 129er Verfahren wiederholen sie dieses Tamtam, um ihr Vorgehen gegenüber der Öfffentlichkeit zu legitimieren!

Das neueste Gespinst des Generalbundesanwaltschaft soll Nazis in Eisenach angegriffen haben. Eisenach ist „Kaltort Nr. 3“ in Deutschland (https://irgendwoindeutschland.org/eisenach-thueringen-kaltort-ranking-2019/). Das Bündnis „Irgendwo in Deutschland“ schrieb über diese Stadt: 

Nicht ohne Grund fühlen sich echte, stramme Deutsche von dieser Stadt magisch angezogen.Eisenach ist auch die Stadt, in der Björn Höcke noch ordentlich Konkurrenz bekommt. Die NPD und ihre Führungsfigur Patrick Wieschke stehen ihm in der Beliebtheit nicht nach und da die Eisenacherinnen heimatverbunden sind, wählen sie ihren eigenen Faschisten. So schaffte es die NPD hier noch auf 10,1%, sie konnte bei der diesjährigen Kommunalwahl sogar einen Platz hinzugewinnen.

In Eisenach gibt es eine gut vernetzte, militante Neonaziszene die auch eigene Räumlichkeiten unterhält. So etwa das Bull’s Eye in dem der Betreiber Leon R. Konzertveranstaltungen zu Ehren Rudolf Hess abhält oder das Fliederhaus, in dem Nazis wie Thorsten Heise ein und aus gehen. Diese Strukturen stricken seit Jahren an einer nationalen Revolution, ihr Ziel ist nicht weniger als eine Neuauflage des Nationalsozialismus und sie finden mit dieser Agenda Gehör.

An dieser Stelle verwiesen wir im Original auf ein Zitat aus Wiglaf Drostes „Mit Nazis reden“. Von wunderbaren Freund*innen wurden wir unterrichtet, dass Droste in den 90ern in der autonomen Bewegung in Ungnade viel, wegen verharmlosender Aussagen zu Kindesmissbrauch. Frauengruppen und Beratungsstellen zu Kindesmissbrauch warf er Wichtigtuerei vor. Wir können rückblickend die gelaufenen Debatten nur schwer nachvollziehen, halten es aber an der Stelle lieber mit dem „Männerrundbrief„, die damals meinten: „Droste halts Maul!!“ 

Während gut organisierte Neonazis mordend und brandschatzend durch die Lande und Behörden ziehen, sind beide ebenso frei von einer ernsthaften antifaschistischen Gegenwehr. Es wäre sicherlich schöner anzusehen, symbolisch stärker und würde den Nazis anders zusetzen, wenn sie ohne Gewalt, von Massenbewegungen gestoppt würden. Überall dort wo sie sich versammeln müssten ihnen 10x so viele entgegenstehen. Jedes Lokal das sie sich anmieteten, müsste besetzt werden und ob der Zahl ihrer Gegner*innen resignierten sie vielleicht. Überall wo sie ihren Terror planen wollten, müssten wir sein und ihnen zeigen, dass sie keinen Erfolg haben werden mit ihrem Hass und Vernichtungswillen. Doch dem ist nicht so. Und selbst wenn, wer weiß ob das ihren Terror stoppen würde. Solange das so ist, solange Antifaschismus das „Hobby“ einer kleinen Gruppe von Menschen ist, solange heißt Antifaschismus, sie anzugreifen, auf allen Ebenen und mit allen Mitteln.

Lina sitzt jetzt seit Donnerstag Abend im Knast. Ihr wird vorgeworfen Antifaschismus selbst in die Hand genommen zu haben. Ob das legal oder illegal ist, interessiert uns nicht. Dieser Staat steht im Kampf gegen den Faschismus auf der anderen Seite. Der Faschismus entspringt den herrschenden kapitalistischen Verhältnissen. Der Staat schützt diese – Demokratie hin, Demokratie her. Wenn es hilfreich ist, dürfen Faschist*innen die Drecksarbeit machen, die kein*e aufrechte Demokrat*in anfassen will. Wo es notwendig wird, weil ihre Opfer und Antifaschist*innen es vehement einfordern, geht der Staat gegen Faschist*innen vor.

Wir sind in Gedanken bei dir Lina und wünschen dir Freude, Liebe und Kraft – auch hinter Gittern. Auch den beiden anderen, die von den Durchsuchungen betroffen waren und allen, die gerade um ihre Freund*innen bangen wünschen wir Kraft und schicken euch unsere Solidarität! Ihr seid nicht allein, weder drinnen noch draußen! 
An alle anderen Antifaschist*innen richten wir den dringenden Aufruf: unterstützt die Betroffenen! Ihr könnt Geld auf das Konto der Roten Hilfe Leipzig (https://antirepression.noblogs.org/rotehilfe/) überweisen:

Rote Hilfe e.V.
GLS-Bank
Konto-Nr.: 4007 238 317
BLZ: 430 609 67
IBAN: DE55 4306 0967 4007 2383 17
BIC: GENODEM1GLS
Stichwort: unverzagt

Schreibt Briefe an Lina. Ihr könnt sie im Moment als Mails an freiheitfuerlina@riseup.net schicken. Diese leiten sie dann weiter. Den zugehörigen Schlüssel findet ihr hier (https://keys.openpgp.org/vks/v1/by-fingerprint/A5BD0F9F1207FA405AE6FE956602BDE22935AE71) Sobald eine Postanschrift klar ist, werden wir diese auch hier veröffentlichen. Weitere Infos findet ihr unter https://freiheitfuerlina.noblogs.org/

Repression soll vereinzeln und handlungsunfähig machen. Zeigt den Genoss*innen in Leipzig, dass sie nicht alleine sind. Sprecht mit euren Kontakten und fragt nach, was gebraucht wird. Und vor allem bleibt am Ball: die größte Solidarität mit den Betroffenen ist weiterhin praktischer und konsequenter Antifaschismus!

Freiheit für alle Antifaschist*innen! 

Weg mit §129a/b!

 

 

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